Geschichtliches
Liecht. Vaterland, 19. August 1995
Herbert Hilbe
Die Sücka, ursprünglich eine Triesner Alp oder einfach ein Teil der Valüna, war ungefähr 300 Jahre im Besitz der Landesherren, ehe sie 1887 die Gemeinde Triesenberg von den Landesfürsten erwarb. Nachdem die Schaaner bei Fürst Johann II. um einen Beitrag für den Kirchenbau angesucht hatten, beschloss dieser, den Erlös aus dem Verkauf der Sücka den Schaanern zu schenken. Heute ist die Sücka nicht nur im Sommer als Alp bekannt, im Winter erfreut sich die Rodelbahn von der Sücka zum Steg grosser Beliebtheit.
Ursprünglich Triesner Besitz
Als erste Besitzer der Alpe Sücka sind im Brandisischen Urbar von ca. 1510 die Triesner aufgeführt („Triesner alpen Jn der sûdtgen“). 1653 erscheint sie in einer Waldeigentumsbestätigung als Besitz des Hohenemsers Franz Wilhelm. Die Triesner scheinen die Sücka in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts an die Herrschaft verkauft zu haben. In einer Urkunde aus dem Gemeindearchiv Triesen von 1683 lesen wir: „... die Zückhen genant, so die Trisner vor mehr alß 100 Jahren der Gnädigen Herrschafft von Jhrer alp Vallüna ... gegeben“. Die Herrschaft hat die Sücka nicht selbst bewirtschaftet, sondern vielmehr an einzelne Gemeinden, auch aus der Herrschaft Schellenberg, verpachtet. In der Folge ging die Alpe mit dem Kauf der Grafschaft Vaduz durch das Haus Liechtenstein in dessen Besitz über. Das Haus Liechtenstein behielt die Sücka bis 1887. In diesem Jahre ersteigerten sie die Triesenberger in einer öffentlichen Versteigerung am 3. März im Landtagssaal als meistbietende Gemeinde.
Das Zämaschütta
Dass die Triesenberger die Sücka überhaupt erwerben konnten, war an die Bedingung geknüpft, dass die bis anhin betriebene Wirtschaftsform der Einzelsennerei am Triesenberg aufgegeben werde. Die Alpen mussten also hinkünftig gemeinsam bewirtschaftet werden, die Milch musste zur Verarbeitung „zämagschütt“ (zusammengeschüttet) werden, anstatt dass jeder Bauer sie selbst verarbeitete. Das „Zämaschütta“ der Milch, die gemeinsame Alpbewirtschaftung, beschlossen die Triesenberger in einer Gemeindeversammlung Ende 1886.
‘Saualpe’ oder ‘trockene Alpe’?
Es wurde in der Vergangenheit schon etliche Male versucht, den Namen Sücka zu deuten. Der Name wurde zu Beginn dieses Jahrhunderts zu einem keltischen succ-ana ‘Saualpe’, zu lateinisch sicca ‘die Trockene’ oder zu einem alten deutschen Personennamen Suitger gestellt. Doch erst David Beck und später auch Alexander Frick haben eine mögliche Zuordnung zum Mundartwort Sügga, Söögga zur Diskussion gestellt.
Sücka bedeutet ‘sumpfiges Gebiet’!
Mit Sücke wird eine mit ‘Wasser durchsetzte, sumpfige Stelle’, eine ‘Pfütze’ oder ‘Wasserlache’ bezeichnet. In den südlichen Walsergebieten wird mit diesem Wort ein ‘Ort, wo Wasser durchsickert’ bezeichnet. Im walserischen Rheinwald bedeutet Sücke ‘Stelle, wo immer Wasser aus dem Boden rinnt’. Die Verbreitung des Namens in der Schweiz lässt darauf schliessen, dass es sich beim Mundartwort Sücke in dieser Lautung um ein eigentliches Walserwort handelt. In anderen Lautungen und Ableitungen, so etwa sooggen, sööggen, söötschen, soozgen ist das Wort im alemannischen Sprachraum allgemein gebräuchlich.
Wenn es sich bei Sücke um ein Walserwort handelt, muss auch die Sücka von den Walsern benannt worden sein. Dies ist sehr wohl möglich, denn den Walsern gehörte schon um 1500 ein Teil der Sücka, nämlich der Dürraboda, welcher im Brandisischen Urbar als eigene Triesenberger Alpe aufgeführt ist. Eine Benennung mit Sücke ‘sumpfiges Gebiet’ als Gegensatz zum Dürraboda ‘trockener Boden’ ist wahrscheinlich. Sumpfige Stellen sind auf der Sücka viele zu finden, etwa unterhalb des Kurhauses, auf den Böda oder in den Rieter.
